
von Karl Juergen Hepke

In der Sprache der damaligen arabischen Eroberer hieß das Land "al Andaluz " , was nach westlicher heutiger Auslegung von der Benennung nach den Vandalen kommen soll, die sich hier vorher und damit noch vor den Westgoten als erstes Volk der germanischen Voelkerwanderung fuer eine Zeit angesiedelt hatten und dann nach Nordafrika weiterzogen. Aber etwas undeutlich ausgesprochen, und wenn man bedenkt , daß Tausende von Jahren muendlicher und schriftlicher Namensueberlieferung in verschiedenen Sprachen und Schriften dazwischen liegen, garnicht so weit von dem Namen der alten Aegypter "Atlantis" entfernt ist , das in ihrer Sprache " Insel ohne Namen " bedeutete. Im heutigen Spanien heisst es Andalucia und ist eine autonome Region Spaniens.
In diesem Land lag einst eine reiche und beruehmte Stadt, die von den spaeteren Griechen Tartessos genannt wurde und in der Bibel unter dem Namen Tharsis oder auch Tarschisch im Buch Jesaja und an vielen anderen Stellen erwaehnt wird. Sie wird dort als "die froehliche Stadt, die sich ihres Alters ruehmt" bezeichnet . Ihre Kaufleute, die in Tyrus und Sidon Handelsniederlassungen hatten, werden "Einwohner der Insel" genannt und ihr Markt und Hafen war beruehmt im ganzen mittelmeerischen Raum. Außer bei Jesaja wird es in der Bibel in 1.Mose 10,4; 2.Chronik 2,2; 20,36-37; Esther. 1,14 ; Psalm. 72, 10 ; Jeremia. 10, 9 ; Hesekiel. 27, 12. 25 ; Jona 1,3 ; 4,2 erwaehnt. Das Jerusalemer Bibellexikon von 1990 bezeichnet es als das Land " aus dem die Leute von Tyrus Silberblech, Silber, Eisen, Zinn und Blei bezogen. Jona wollte mit dem Schiff dorthin fahren. Auch Salomon sandte Schiffe dorthin." Nach den genannten Bibeltexten sind Tharsis und die Chittiter Soehne von Noahs Enkel Javan, der in den westlichen Laendern und auf den Inseln der Heiden wohnt.( Die Einwohner von Tharsis sind also nach der Bibel Nachkommen der in der Sintflut bewußt geretteten Einwohner von Atlantis I.) Die Tharsisschiffe sind die reichsten und maechtigsten auf den Meeren und Tharsis selbst wird die "Stadt aus der Urzeit" genannt.
Wir werden die Stadt nicht mit dem Namen "Tartessos" , unter dem sie in Spanien ein Begriff ist, obwohl ihre Lage zur Zeit offiziell noch als unbekannt gilt, benennen. Sie bekam diesen Namen erst in einer anderen Zeit nach ihrem spaeteren Wiederaufbau und in einer Zeit, die als die "phoenizische" in die Geschichte der iberischen Halbinsel eingegangen ist. Da hier aber von ihrer ersten großen Zeit die Rede ist , soll sie den Namen fuehren , den sie in der Bibel hat
Und wir werden sehen, daß sie in allen Punkten mit Platons Stadt "Atlantis" identisch ist.
Es erstaunt nicht, daß diese bedeutende Rolle in den wenigen aus der damaligen Zeit auf uns ueberkommenen Geschichtsaufzeichnungen : einer aegyptischen Stele mit Hieroglyphen , nach der ein alter hoher aegyptischer Priester dem Griechen Solon aus Athen den Bericht von der Macht und Groeße von Atlantis gibt (27,29) , und der Bibel, dem wohl bedeutendsten Geschichtsbuch aus alter Zeit, ihren Niederschlag gefunden hat . Auch Homer hat ihr wahrscheinlich in der Beschreibung von "Scheria", der Koenigsstadt der Phaeaken, zu der Odysseus schliesslich auf seinen Irrfahrten gelangt und wo er herrliche Tage nach all den Strapazen seiner Reisen verbringt, ein Denkmal gesetzt. Darueberhinaus finden sich in aegyptischen Hieroglypheninschriften immer wieder Erwaehnungen der verschiedenen Voelker von Atlantis II, die oft einfach in dem Begriff der Seevoelker zusammengefaßt werden. Aus den Archiven der aegyptischen Koenige ist außerdem ein Briefwechsel mit dem Land Alasija bekannt, mit dem wohl auch Atlantis gemeint ist. Denn die urspruengliche Annahme der Historiker, daß Alasija auf Zypern lag, ließ sich nicht bestaetigen.
Dies erscheint trotzdem nicht sehr viel und der geschichtlichen Bedeutung des Landes und der Stadt nicht angemessen . Schuld daran sind zum Teil die Verwuestungen, die von spaeteren Voelkern im Mittelmeerraum angerichtet wurden. An hervorragender Stelle sind hier die Roemer zu nennen. Sie haben nicht nur die Vernichtung der Bibliothek von Alexandria verschuldet, bei der ca 700000 Baende mit dem gesammelten Wissen der alten Welt verbrannten, sondern sie haben auch alles Wissen der letzten westeuropaeischen Kulturerben von Atlantis , der Etrusker und der Punier, soweit es in ihrer Macht stand, vernichtet. Die Nachfolge der Roemer traten in diesem Punkt dann die fruehen Christen und spaeter die katholische Kirche an, die alles aus alter Zeit ueberkommene Wissen als "heidnisch" verdammten und verteufelten und ruecksichtslos vernichteten.
Ein anderer Grund dafuer ist aber auch die Geheimhaltungspolitik, die von den Laendern des
atlantischen Reiches betrieben wurde. Denn die Atlanter und ihre Nachfolger, die Phoenizier
und Karthager, sorgten mit allen Mitteln dafuer, daß kein griechisches Schiff in ihren Seeraum
westlich von Italien eindringen konnte und auch die Schiffe der Roemer wurden in diesem Gebiet
mit allen Mitteln bekaempft, um Kuesten und Seewege moeglichst geheimzuhalten. Dies geschah
aus rein kaufmaennischen Erwaegungen, denn man wollte die Seewege zu den Quellen des
atlantischen Reichtums, den Minen von Kupfer, Zinn, Silber und Gold und anderen wichtigen
Rohstoffen dem moeglichen Konkurrenten nicht verraten.

Doch zurueck zur Lage der Stadt Tharsis oder Atlantis heute.
Die Stadt, die heute an der Stelle des ehemaligen Hafens von Atlantis an der Mündung des Guadalete liegt,
heisst "El Puerto de Santa Maria" und wird in der Gegend seit undenklichen Zeiten "El Puerto"
"der Hafen" genannt. Frueher, vor der Eroberung durch die Mauren, hieß er gemaess der
offiziellen Stadtgeschichte nach seinem sagenhaften Gruender " Puerto de Menestheo", was
soviel heisst wie "der Hafen des Gottes Menes". Dem geschichtlich vorbelasteten Besucher kommt
dabei in den Sinn, daß der sagenhafte Koenig oder Gott Menes doch auch derjenige gewesen sein
soll, der Ober- und Unteraegypten etwa 3000 v. Chr. zu einem Reich zusammenfuehrte und damit
den schnellen kulturellen Aufstieg Aegyptens einleitete. Dies deutet zumindest darauf hin,
daß dieser Hafen uralt ist und damit auch aelter als der erst in spaeter phoenizischer Zeit
gegruendete, Puerto vorgelagerte Handelsplatz Cadiz.
Im Bereich von Puerto und seines Hafens fand man bisher auf einigen 10 000 Quadratmetern Spuren einer Ortschaft in Form von Resten von Huetten und Wohnhaeusern und ihnen zugeordnet glockenfoermige unterirdische Bauten, die als Silos und manchmal auch als Bestattungsraum fuer Tote dienten. Auch Werkzeuge zur Herstellung luftgetrockneter Ziegeln und reich mit ueblichem Kuechenzubehoer ausgestattete Herdstellen wurden gefunden. Man fand Messerschneiden, handgemachte keramische Gefaesse, sichelfoermige Zaehne, Pfeilspitzen, trapezfoermige duenne Platten, angespitzte Feuersteine , Stein- und Knochensplitter, die zeigen, dass hier Werkzeuge und Geraete fuer den taeglichen Gebrauch hergestellt wurden. Diese fruehe Ansiedlung wurde auf 3500 v. Chr. datiert.
Ein Blick in die Michelin Karte von Andalusien im Maßstab 1:400 000 zeigt : In nordoestlicher
Richtung weiter dem Hafenverlauf folgend, laeuft ein schmaler Kanal in das Land, bis ihn die,
in der Neuzeit hierher verlegte, Eisenbahnlinie Cadiz-Jerez zum Abknicken nach Osten zwingt.
Die Eisenbahnlinie wiederum weicht einem in nordwest-suedoestlicher Richtung im Abstand von
etwa 10 Km parallel zur Kuestenlinie verlaufendem Bergruecken von
etwa sechs Kilometer Laenge
aus und umgeht ihn im Suedosten bei dem kleinen Ort "El Portal". Zwischen Eisenbahn und Berg
verlaeuft die alte Straße von Puerto nach Jerez de la Frontera und auf der anderen Seite der
Bahnlinie fliesst der heute Guadalete genannte Fluß, der sich von hier aus in vielen Windungen
durch die Ebene zum Hafen von Puerto schlaengelt.

Schon vor Jerez zweigt nach Suedosten die alte Strasse nach Algeciras ab, das zur Roemerzeit
Carteia hiess und schon in phoenizischer und wahrscheinlich auch in atlantischer Zeit eine
bedeutende Stadt war. In ostnordoestlicher Richtung folgt die alte Strasse nach Arcos de la
Frontera, die zum einen weiter nach Ronda und zum anderen weiter nach Antequera fuehrt. Auch
diese beiden Staedte sind erwiesenermaßen schon sehr alt und bestanden, zumindest als Siedlung,
schon um ca 2500 v. Chr.
Nach Nordnordost folgt dann die alte, wohl bedeutendste Strasse, die ueber Utrera einmal nach
Carmona und von hier ueber Lora del Rio in die aus der Bronzezeit stammenden
Minengebiete in der Sierra Morena fuehrt. Zum anderen fuehrt sie von Utrera über Ecija nach Cordoba und
erschliesst damit die ganze andalusische Ebene in voller Tiefe. Ebenfalls von Utrera zweigt nach
Norden die alte Strasse ab, die ueber das heutige Sevilla nach Norden in die Zinn- und
Silbergebiete Nordwestiberiens fuehrt und noch heute "Ruta de la Plata" also "Silberstrasse"
heisst . Dieses spinnennetzfoermig ins Hinterland fuehrende alte Strassennetz zeigt einmal mehr
die Bedeutung der Stadt, die von hier aus das Hinterland bestimmte. Die Bedeutung des Ortes
drueckt sich auch darin aus, dass in dieser Gegend am Guadalete die entscheidende Schlacht
zwischen den mohammedanischen Eroberern und dem Heer der Westgoten
stattfand.
Auch die Roemer gewannen hier eine entscheidende Schlacht. Es sieht so aus, als wenn die Eroberung dieser Gegend eine unbedingte Voraussetzung zur Beherrschung des Hinterlandes war und es wird deutlich, warum die hier liegende Stadt schliesslich von den Eroberern, wie die archaeologischen Befunde zeigen, voellig eingeebnet und unbewohnbar gemacht wurde . Der Eroberer verhinderte dann fuer lange Zeit , dass man sie wieder aufbaute.
Dies deutet in Richtung Rom, denn es ist bekannt, dass die Roemer zuerst in
Etrurien , dann in Karthago und spaeter in Jerusalem und an vielen
anderen nicht so bekannten Orten verhinderten , dass alte bedeutende Staedte nach der Eroberung
und Zerstoerung wieder aufgebaut wurden, da nichts den Ruhm der die
"Welt beherrschenden Stadt Rom" schmaelern sollte. Ausserdem
herrschten die Roemer über 400 Jahre lang in Suediberien, und diese Zeit duerfte ausgereicht
haben, die alte Stadt aus dem Gedaechtnis und dem Interesse der Bewohner des Landes
verschwinden zu lassen. Die neuerdings veroeffentlichten archaeologischen
Befunde bestaetigen diese Annahme.

Die hoechste Erhebung des Bergrueckens an seinem suedoestlichen Ende ist mit 124 m in der Karte
angegeben. Ihm vorgelagert ist ein Huegel von etwa 1 Km Durchmesser und
ca. 30 m Hoehe und hier liegt die grosse
Ausgrabungsstaette, die bisher eine befestigte
Stadt zu Tage
brachte, deren Geschichte sich nach den bis 2003 bekanntgegebenen Daten zwischen
dem 9ten und dem 3ten Jahrhundert v. Chr. abspielte. An dieser Ausgrabung wird bereits seit
1978 gearbeitet.
Man fand dort umfangreiche Mauerreste von zum Teil durch Feuer zerstoerten Haeusern, umschlossen von Befestigungsanlagen und in den Haeusern Keramiken, phoenizische Geraete und Reste, die auf einen intensiven Austausch mit den Griechen hinweisen. Diese Stadt ist nach den vorliegenden Zeitdaten zwar nicht Atlantis-Tharsis. Aber alles deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Stadt um die Nachfolgerin von Tharsis , Tartessos, handelt.
Da aber Tartessos die Erbin der Vorzuege der Lage von Atlantis-Tharsis war, kann Atlantis nicht
weit entfernt gelegen haben.
Nach dem Gelaendebefund kommt dafuer fast nur die vom Guadalete durchflossene Ebene zwischen dem
Huegel von Tartessos und dem Meer in Frage.

Hier liessen sich ohne weiteres die von Platon beschriebenen Wasser- und Landringe unterbringen
, wobei der Fluss Guadalete mit seinen Maeandern tatsaechlich die Anfangsinsel gebildet haben koennte.
Auf dem Sattel des noerdlich hinter der Stadt liegenden Bergrueckens der Sierra de San Cristobal
auf dem ausgedehnte Grabanlagen
gefunden wurden, die von der juengeren Bronzezeit bis in die tartessische Zeit datieren,
gibt es umfangreiche moderne
Quellfassungen und etwas weiter an seiner Nordseite befinden sich, nach mehreren Seiten in den
Berg hineingetrieben, vom Grund eines Grabens ausgehend, mehrere Stollen.
Zwei Graeben
oder Kanaele sind durch einen Tunnel verbunden. Die Waende der Graeben und der Tunnel sind
senkrecht und glatt behauen. Die Decken sind leicht gewoelbt. In ihrem altersgrauen Zustand
erinnern sie an die Beton-U-Bootbunker des 2ten Weltkrieges oder die Bunker des Atlantikwalls.
Aber es gibt keine Markierungen der Verschalung und keine herausragenden verrosteten
Stahlarmierungen.
Und wieder kommt Platon in den Sinn : "Der Tempel des Poseidon
selbst war ein Stadion lang, 500 Fuß breit und von entsprechender Hoehe."Er haette hier gut
Platz gehabt und darueber hinaus die Koenigsburg und alles andere von Platon beschriebene.

Diese "Bunker" wurden aus dem Felsen herausgehauen und in ihnen wurden
vielleicht Vorraete oder die Reserven der atlantischen Kriegsflotte vor 3500 Jahren aufbewahrt.
Es sind moeglicherweise einige der Steinbrueche, von denen Platon berichtet : "Die Steine dazu
aber, teils weisse, teils schwarze und teils auch rote, wurden unter der in der Mitte liegenden
Insel und unter der Innen- und Aussenseite der Guertel gehauen und so beim Aushauen zugleich
doppelte Behaelter fuer die Schiffe ausgehoehlt , die von den Felsen selbst ueberdacht wurden."
Die Groesse der Stollen wuerde wohl ausreichen zwei atlantische Fuenfzigruderer nebeneinander
zu lagern. Auch die Hoehe entspricht der eines kleinen Hauses.
Ueber dem Sattel des Bergrueckens befindet sich auf seinem hoechsten Punkt
ein Plateau.Die grossen grauen Sockel, auf denen gut der Parthenon der Akropolis von Athen Platz
haette,
erweisen sich zwar heute als in den Felsen gehauene Wasserbehaelter mit einer riesigen ebenen
Abdeckplatte und mit von aegyptischen Tempeln her bekannten konisch zulaufenden Abstuetzmauern,
aber die etwas ansteigenden Strassen zwischen den einzelnen Sockeln sind mit Bueschen und
Blumen wie eine Tempelallee angelegt und nach Suedosten hin schliesst sich an die "Tempelsockel"
ein Hain schoener Baeume an.

Denn seitdem man am Hang des Bergrueckens eine ausgedehnte
Nekropole mit Grabstaetten aller Kulturphasen von der mittleren Bronzezeit, also der Zeit von
Atlantis-Tharsis, bis zur turdetanischen Zeit, der Zeit von Tartessos, gefunden hat, sind die
Archaeologen sich der Bedeutung der Fundstaetten dieser Gegend
bewusst geworden.
An dem Rande des Plateaus ueberrascht das phantastische Panorama, das sich bietet :
Hier wird auch klar, warum in allen Religionen der aus der atlantischen Kultur hervorgegangenen Voelker die Goetter auf einem mythischen Berg zu Hause sind. Dies ist der Berg, der fuer den Olymp der Griechen, die Walhalla der Germanen, die Zikkurate in Mesopotamien und viele andere natuerliche oder kuenstlich geschaffene Goetterberge die Grundidee lieferte. Und es muss hier noch einmal Platon zitiert werden, denn besser kann man das Gefuehl, das von diesem Blick ausgeht, garnicht beschreiben :
_______________________________________Lesen Sie hierzu, umfassend und uebersichtlich dargestellt :
DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur
von Karl Juergen Hepke
TRIGA - DER VERLAG, 2.Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, Eur 22,00 , ISBN 978-3-89774-539-1